Empfehlung der SSK – Einsatz von Patientenschutzmitteln

Viel hilft nicht immer viel.

Die Strahlenschutzkommission hat im September 2022 eine neue Empfehlung zum Einsatz von Strahlenschutzmitteln veröffentlicht. Auf Grundlage von diversen wissenschaftlichen Untersuchungen erfolgte nicht nur eine Einschätzung der Wirksamkeit von Patientenschutzmitteln, sondern auch der Risiken und Probleme, die mit dem Einsatz einhergehen können.

Bei der Pro & Contra-Bewertung spielen methodische und didaktische Aspekte eine Rolle.

  • Didaktisch ist von Bedeutung, dass eine falsche Einschätzung der Wirksamkeit von Strahlenschutzmitteln dazu führen kann, dass wichtigere Anwendungsaspekte nicht ausreichend beachtet werden und so am Ende weniger erreicht wird, als möglich wäre. Zugleich soll aber auch niemand glauben, dass Strahlung doch nicht so gefährlich ist, weil die Anwendung von Schutzmitteln bei diversen Anwendungen nicht mehr empfohlen wird.
  • Methodisch ist von Bedeutung, dass der fehlerhafte Einsatz von Schutzmitteln bei der Anwendung der Dosisautomatik zu einer Überexposition führen kann, aber auch Infektionsrisiken und der Mehraufwand für Hygienemaßnahmen zu bedenken sind.

In Tabellenform und mit einfach verständlichen Symbolen wird in der Empfehlung der Strahlenschutzkommission gezeigt, wann der Einsatz von Patientenschutzmitteln allgemein empfohlen wird, als möglich einsetzbar gilt und wann sie nicht empfohlen wird – aber „die richtige Anwendung vorausgesetzt, nach individueller Abwägung eingesetzt werden“ können.

Empfehlungen bei der Projektionsradiographie
Bei allen konventionellen Röntgenaufnahme in der Zahn- und Humanmedizin wird der Einsatz von Patientenschutzmitteln mit „nicht empfohlen“ gekennzeichnet.

Empfehlungen für DVT in der Zahnmedizin und für NNH
Der Einsatz von Patientenschutzmitteln ist mit „nicht empfohlen“ gekennzeichnet.

Empfehlungen bei der Computertomographie
Lediglich für das Schädel-CT wird der Einsatz des Augenlinsenschutzes und bis zum 40. LJ der Einsatz des Schilddrüsenschutzes empfohlen. In anderen Fällen gilt der Einsatz als möglich (z.B. die Hodenkapsel beim CT-Abdomen, sofern außerhalb des Scanbereichs) bzw. bei der Untersuchung des Thorax und der Extremitäten als „nicht empfohlen“.

Empfehlungen für die Fluoroskopie
Für die Fluoroskopie gibt es keine untersuchungsspezifischen Empfehlungen. Hier heißt es nur allgemein, dass keine Patientenschutzmittel im oder nahe am möglichen Strahlengang eingesetzt werden sollen.

Auf das Handeln kommt es an

Da auch der Einsatz von Strahlenschutzmitteln nicht frei von möglichen „Nebenwirkungen“ ist, sollte das richtige Handeln mit all seinen Facetten im Fokus stehen. Das bedeutet zunächst, dass alles getan werden muss, was auch ohne Strahlenschutzmittel die Dosis minimiert. Hierzu gehört vor allem die richtige Durchführung von Untersuchungen. Beim konventionellen Röntgen ist es die richtige Einstelltechnik mit einer adäquaten Einblendung. Bei allen CT-Untersuchungen ist es ein Vorgehen, dass die spezifische Gerätetechjnik berücksichtigt.

Um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen sind daher zu empfehlen:

  • Die Handlungsoptimierung in Rücksprache mit Medizinphysikexperten Geräte-/Applikationsspezialisten.
  • Die Erstellung von Arbeitsanweisungen/SOP´s.
  • Eine adäquate Aus- und wiederkehrende Fortbildung zur Durchführung der verschiedenen Untersuchungen

Besonderheit: Kinder, Jugendliche und Schwangere

In der Empfehlung der Strahlenschutzkommission heißt es: „Bei Kindern, Jugendlichen und Schwangeren [ist] hinsichtlich der Entscheidung zum Einsatz von Patienten-Strahlenschutzmitteln das mit einer Strahlenexposition verbundene höhere Risiko zu berücksichtigen.“ Das bedeutet, dass zusätzlich zu den o.g. allgemeinen Maßnahmen zur Handlungsoptimierung über den Einsatz von Strahlenschutzmitteln nachgedacht werden sollte.

Die Empfehlung der Strahlenschutzkommission ist auf der Homepage der SSK zu finden.

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